Der (vorläufige?) Sieg der Fledermäuse

61 Monate in Folge finden nun bereits die Waldspaziergänge statt. So heißen die Demonstrationen, auf denen NaturschützerInnen und AnwohnerInnen gegen die Rodung des Hambacher Forsts durch den Energiekonzern RWE protestieren, der dort benachbarten Braunkohle-Tagebau betreibt. Einst war das Waldgebiet 8.000 Hektar groß. Im Oktober 2018 hatte das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilverfahren verfügt, dass die verbliebenen 200 Hektar Wald vorerst unberührt gelassen werden müssen. Der Grund: Der Wald ist Lebensraum der bedrohten Bechsteinfledermaus, weshalb das Gericht der Klage der Naturschutzorganisation BUND stattgab. So könnten Fledermäuse letztlich unverhofft einen Beitrag zum Kohleausstieg und zu einer beschleunigten Energiewende geleistet haben. 

Die Lage vor Ort bleibt allerdings angespannt. Dem Wald und seinen Fledermäusen stehen weiterhin die Bagger von RWE gegenüber, und die rücken weiter Richtung Waldrand vor. WaldschützerInnen befürchten, dass durch das Näherrücken der Tagebaukante an den Wald dessen Wasserhaushalt negativ beeinträchtigt werden könnte. Die mögliche Folge: Der Wald könnte verdörren. Einem Zeitungsbericht zufolge darf RWE rechtlich tatsächlich direkt bis zu den Bäumen baggern – und könnte damit indirekt den Rodungsstopp umgehen. Dann könnte es nämlich zu einem Abfluss von Wasser aus Erdschichten von bis zu 15 Metern Tiefe kommen, von denen das Überleben des Waldes aufgrund eines zu tief gesunkenen Grundwasserspiegels gänzlich abhängt. Ein ausgetrockneter Wald allerdings wäre nicht mehr schützenswert.

Die Konfrontation zwischen RWE und den WaldschützerInnen kann durchaus sinnbildlich gesehen werden. Das Rheinische Braunkohlerevier ist die größte Kohlendioxid-Quelle in Europa. Wald hingegen hat eine bremsende Wirkung in Bezug auf die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, da Bäume CO2 dauerhaft binden, indem sie daraus sowie aus Sonnenlicht Biomasse und Sauerstoff produzieren. Insofern ist die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst eine Auseinandersetzung um die Energiewende en miniature. Der Ausgang des Streites ist in seiner Bedeutung für die Energiewende als Summe ihrer Teile, zu denen eben auch der Kohleausstieg zählt, von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Die ausstehende Gerichtsentscheidung könnte sich noch bis Ende 2020 hinziehen. Die Kohlekommission hat derweil den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 empfohlen. Das ist eine lange Zeit für 200 Hektar Wald und die in ihm lebenden Fledermäuse. Viel wird also von dem ausstehenden Gerichtsurteil abhängen. Doch selbst bis dahin ist das Überleben des Waldes und seiner Fledermäuse offenbar nicht sicher. Es wird sich also noch zeigen, ob der Sieg der Fledermäuse nur ein vorläufiger war.

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