„Energiewende“ in China

Die meisten Menschen wissen wohl ungefähr, wie in Deutschland die „Energiewende“ aussehen soll. Schlicht gesagt, weg von Atomkraft, Stein- und Braunkohle hin zu erneuerbaren Energien wie Wind-, Wasser- und Solarkraft. Aber wie gehen andere Länder die Veränderung des Energiekonsums an? Tun sie überhaupt etwas oder gilt, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, weiterhin die Devise „Wachstum vor Umwelt“? China als weltweit größter Energiekonsument und größter Emittent von CO² ist hierbei von besonderer Bedeutung. Das Land steht an der Schwelle zum Industriestaat und setzt in den letzten Jahren alles daran, diese mit Hilfe von innovativen Technologien „Made in China“ zu überschreiten. Die Entwicklung modernster Technologien wird auch im Bereich der Energiepolitik von Seiten der Regierung vorangetrieben. So sieht der letzte Fünfjahresplan vor, dass bis 2030 50% der Energie aus nicht-fossilen Brennstoffen gewonnen werden soll, dazu zählen erneuerbare Energien genauso wie Atomkraft. Im Jahre 2017 lag dieser Anteil bei vergleichsweise geringen 26,4%. Die Kapazität von erneuerbaren Energien soll bereits im Jahre 2020 680 Gigawatt betragen (2013: 378 GW), wovon fast ein Drittel von hochmodernen Windkrafträdern erzeugt werden soll. Das Land zeichnet sich außerdem heute schon für 2/3 des global produzierten Solarstroms verantwortlich und verfügt über das weltweit größte Wasserkraftwerk (der Drei-Schluchten-Talsperre mit einer Leistung von 22,5 Gigawatt). Allerdings ist hierbei wichtig zu erwähnen, dass Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien wie die erwähnte Talsperre keineswegs immer nur positiv zu sehen sind. Neben den schwerwiegenden Konsequenzen für die Bevölkerung dieses Gebietes hat sie dort zudem massiv zum ökologischen Ungleichgewicht beigetragen.

China investiert von allen Ländern der Welt am meisten in erneuerbare Energien: Der Anteil des Landes an den Gesamtinvestitionen lag 2017 bei rund 45 % bzw. 125,9 Mrd. US-Dollar (2013: 53,3 Mrd. US-Dollar). Ein Grund für diese immensen Investitionen ist, neben der enormen Verschmutzung der Luft und Flüsse vor allem in den Ballungsgebieten, auch die Abhängigkeit Chinas von Energieimporten. Seit 2009 importiert das Land mehr Kohle als es selbst produziert und seit 2017 ist die Volksrepublik der weltweit größte Importeur von Rohöl. Es wird angenommen, dass im Jahre 2040 80% von Chinas Rohöl aus dem Ausland stammt. Und da dieses zum Großteil aus Krisenregionen des nahen Ostens importiert werden muss, gilt das Sicherstellen einer jederzeit genügenden Menge an Energie als eine der wichtigsten Herausforderungen der chinesischen Regierung. Erneuerbare Energien können also sowohl die Umweltverschmutzung als auch Chinas Abhängigkeit von Energieimporten verringern, und so dazu beitragen, dass die sozioökonomische Stabilität gewahrt werden kann. Die „Energiewende“ hat also in China eine mindestens genauso große Bedeutung wie in Deutschland.  

Quelle der Daten: https://chinapower.csis.org/energy-footprint/

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