Blockchain als Teil der Energiewende?

block-chain-3513216_1920Die Blockchain-Technologie ist im Zusammenhang mit Kryptowährungen bekannt geworden und stellt in ihrer ursprünglichen Form eine Art digitales und öffentlich zugängliches Kontenbuch dar, auf dem verschiedene Formen von Transaktionen zwischen zwei Parteien pseudonymisiert und ohne eine zentrale Instanz gespeichert und validiert werden können.

Dies ist allerdings nur eine von vielen Möglichkeiten, wie diese Technologie verwendet werden kann. Unlängst gibt es auch Ideen, Blockchain im Energiesektor einzusetzen. In diesem Kontext könnte die Blockchain-Technologie zur Unterstützung der Energiewende und ähnlicher energiepolitischer Prozesse genutzt werden – nicht nur in Deutschland.

Die wichtigste Eigenschaft für einen möglichen Einsatz der Blockchain-Technologie in der Stromerzeugung und –versorgung stellt dabei ihr hoher Grad an Dezentralisierung dar. Ähnlich wie im Fall von Kryptowährungen könnten bestehende Energieerzeuger und –anbieter durch die Etablierung eines die Blockchain-Technologie nutzenden Netzwerks umgangen und so neue Strommärkte geschaffen werden, die sich dann größtenteils aus erneuerbaren Energien speisen könnten. Parallelen zu smart cities und smart grids, also intelligenten Netzwerken aus Stromerzeugern und –verbrauchern, die es ermöglichen, dass die richtige Menge an Strom genau dorthin geleitet wird, wo sie gerade gebraucht wird, sowie unterstützende Einsatzmöglichkeiten für deren Umsetzung durch die Blockchain-Technologie drängen sich in der Theorie geradezu auf.

Doch wie würde das Ganze in der Praxis funktionieren? Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat sich das im Rahmen einer Publikation für den amerikanischen Think Tank Council on Foreign Relations einmal genauer angeschaut und dazu Interviews mit Firmenvertretern sowie Fallstudien von Pilotprojekten in verschiedenen Ländern durchgeführt. All diese Firmen und Projekte haben es sich zum Ziel gemacht, die Blockchain-Technologie im Energiesektor anzuwenden. Nicht nur Start-ups, sondern auch Namen etablierter Akteure wie der des japanischen Betreibers des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-1, Tokyo Electric Power Company, sowie der deutsche Energieriese E.ON sind darunter.

Obwohl es mittelfristig unrealistisch erscheint, dass die Blockchain-Technologie bestehende Stromnetze dezentralisieren kann, könnte sie doch weiteren Marktteilnehmern Zugang zu bestehenden Netzen bieten und so den Verkauf von Strom durch Privathaushalte oder kleine und mittelständische Unternehmen, die etwa mit Solarzellen auf den Dächern ihrer Gebäude Strom erzeugen, ermöglichen und fördern – abseits von bzw. zusätzlich zu Stromeinspeisevergütungen und anderen staatlichen Anreizen, die dies ebenfalls zum Ziel haben. Aber auch für Entwicklungsländer, die noch nicht über flächendeckende Stromnetze verfügen, stellt die Anwendung der Blockchain-Technologie eine Möglichkeit dar, lokale Stromproduzenten und –konsumenten zusammenzubringen und tatsächlich dezentrale Netze zu etablieren.

Die Blockchain-Technologie kann auch dabei helfen, bestehende Stromnetze durch die Stabilisierung von Netzfrequenz und Netzspannung gleichmäßiger auszulasten und so die Effizienz des Stromverbrauchs zu steigern. Dies kann ermöglicht werden, indem Stromkunden zu jeder Zeit in die Lage versetzt werden, den je nach Standort und Zeit variierenden aktuellen Strompreis einzusehen und darauf basierend Transaktionen durchzuführen, d.h. auch selbst erzeugten bzw. gespeicherten überschüssigen Strom zu verkaufen. Die Beschaffenheit derzeitiger Strommärkte ist in der Regel für einen solch flexiblen Handel nicht ausgelegt. Genau das könnte der Einsatz der Blockchain-Technologie jedoch ändern.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit der Blockchain-Technologie zur Unterstützung der Energiewende stellen initial coin offerings (ICOs) dar, also der Verkauf digitaler Einheiten auf Basis von Kryptowährungen durch Unternehmen, mit deren Hilfe Geld für Projekte aus dem Bereich Erneuerbare Energien gesammelt werden kann. Dies würde v.a. kleinere Investoren in die Lage versetzen, solche Projekte in der Art eines Crowdfundings zu unterstützen.

Darüber hinaus könnten Daten, die z.B. darüber Auskunft geben, welchen Anteil erneuerbare Energien an einer Einheit Strom haben und wieviel Kohlenstoffdioxid zur Erzeugung der Einheit emittiert wurde, mit Hilfe der Blockchain-Technologie gesammelt und so eine nachhaltige Energieerzeugung gefördert werden. Auch Bemühungen, den Kohlenstoffdioxidausstoß zu reduzieren, könnten auf diese Weise präzisiert und somit unterstützt werden. Mehr Transparenz beim Energieverbrauch könnte außerdem Verbraucher dazu befähigen, den Energieverbrauch ihrer Strom verbrauchenden Gerätschaften zu optimieren bzw. Preisentwicklungen auf dem Strommarkt in Echtzeit zu verfolgen und Stromanbieter schneller und effizienter zu wechseln.

Auch in Bezug auf Elektromobilität birgt der Einsatz von Blockchain-Technologie viel Potenzial, etwa bei der Verbesserung der Ladeinfrastruktur von Elektroautos. Besitzer von Ladestationen könnten als Dienstleister auftreten und es Besitzern von Elektroautos gestatten, diese gegen Bezahlung an ihren Ladestationen aufzuladen. Abgewickelt würden diese Transaktionen dann über das Blockchain-Netzwerk.

Ob das große Potenzial der Blockchain-Technologie zur Unterstützung der Energiewende umgesetzt werden kann, wird zu großen Teilen von staatlich gesetzten Rahmenbedingungen sowie dem Einfluss etablierter Akteure auf diese Regulierungsprozesse abhängen. Dass diese Akteure durchaus Interesse an der Weiterentwicklung bestehender Markstrukturen durch den Einsatz der Blockchain-Technologie haben, da sie durch Kostensenkungen auf mehr Effizienz und somit Wettbewerbsvorteile hoffen, macht es wahrscheinlicher, dass Schnittmengen zwischen den Präferenzen von Stromerzeugern, Netzbetreibern und Konsumenten gefunden werden können, die schließlich die Energiewende im Sinne der Nachhaltigkeit voranbringen werden.

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